Wiegen oder wägen? Was ist Wägetechnik?

Oder wie man Apfelsinen in den Schlaf wiegt

Der Begriff „Wägetechnik“ (Technik des Wiegens, der Herstellung von Waagen) mag sich im ersten Moment für viele Ohren falsch oder seltsam anhören. Man „wiegt“ doch Dinge und „wägt“ sie nicht, also müsste es doch „Wiegetechnik“ heißen, oder? Denkt man dann genauer nach, ist man sich vielleicht nicht mehr so ganz sicher: Dinge werden ja nicht auf eine Wiege sondern auf eine Waage gelegt um das Gewicht zu ermitteln. Wenn ich mir ein paar Apfelsinen schnappe und diese in die Puppenwiege der Tochter packe, kann ich die dort noch so lange sanft hin und her „wiegen“, ich werden das genaue Gewicht so nie erfahren. Packe ich diese dann schlauerweise auf eine Waage und wäge sie ab, komme ich wohl eher zu einem befriedigenden Ergebnis. Von daher ist vom „Wägen“ statt vom „Wiegen“ zu sprechen sicher sinnvoller. So wurde es im deutschen Sprachgebrauch auch viele Jahrhunderte gehalten. Dabei ist der Ursprung beider Wörter gleich. Sie leiten sich vom germanischen Wort „wigan“ ab, dass „sich bewegen“ oder auch „schwingen“ bedeutete. Attribute, die auf Wiege und Waage zutreffen. Im weiteren Verlauf wurde dann im Altdeutschen daraus „waga“ (Waage) und „wiga“ (Wiege) und im Mittelhochdeutschen „wage“ (Waage) und „wige“ (Wiege).

Wägetechnik im Wandel


old-scale-webIn den letzten Jahrhunderten ging die ursprüngliche Nutzung des Wortes „wägen“ zugunsten des „wiegens“ jedoch immer weiter zurück. Und da Sprache, Wörter und deren Bedeutung einem ständigen Wandel unterliegen sagt selbst der Duden: Wiegen, wog, gewogen: modern für: „Gewicht bestimmen“ und Wägen, wägte, gewägt: veraltet für: „Gewicht bestimmen“. Im professionellen Bereich hat sich „das Wägen“ jedoch weiter als der exakte Begriff für den Vorgang einer Gewichtsbestimmung mit Hilfe einer Waage erhalten. Auch in den Wörtern „abwägen“ und „erwägen“ nutzen wir den Ausdruck heute noch. Somit redet der Waagenbauer/-händler, wenn es rund um das Wiegen und die Waage geht, von „Wägetechnik“.

Grundsätzlich ist die Frage „Was wiegt denn das?“ für den Menschen schon seit tausenden von Jahren von Bedeutung. Wobei man nicht genau sagen kann wer DER Erfinder der Waage ist. Alte Funde aus Ägypten belegen jedoch, dass bereits dort vor über 5000 Jahren gleicharmige Balkenwaagen zur Gewichtsermittlung genutzt wurden.

Da es in der Natur des Menschen liegt Dinge ständig zu verbessern und Ergebnisse zu präzisieren, blieb es nicht aus, dass die Wägetechnik einem steten Wandel unterlag und kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert wurde (was auch heute noch der Fall ist). So haben die Römer z.B. um 100 v. Chr. die Schnellwaage erfunden, an der man mit Hilfe einer Skala das Gewicht des Wiegegutes ablesen kann. Dadurch wurde die Balkenwaage aber nicht verdrängt. Als Feinwaage war sie weiterhin aufgrund ihrer Genauigkeit das Instrument der Wahl.

Bedingt durch diese vielfältigen Anwendungsbereiche entstanden im Laufe der Geschichte viele verschiedene Waagentypen und Weiterentwicklungen u.a.:

  • justitia-webLaufgewichtswaage: Bei dieser Waage wird ein Gewicht entlang eines Balken bewegt bis durch Hebelwirkung eine Gleichgewichtsstellung erreicht ist. Anhand einer Skala oder durch einrasten des Gewichts an festen Positionen kann man dann den Gewichtswert ablesen.
  • Neigungswaage: Bei der manchmal auch Knickhebelwaage genannten Apparatur wird ein Gewicht mit fester Größe an einem Hebel befestigt. Bei Belastung wird dieses aus der Ruheposition bewegt. Der Ausschlagwinkel des Gewichts bei diesem Vorgang wird als Maß für die Größe der Last genommen. An einer Skala kann das Gewicht dann abgelesen werden. Der Vorteil der Konstruktion ist ein stabileres Gleichgewicht als bei der reinen Balkenwaage.
  • Federwaage: Hier wirkt eine Zugkraft auf eine Schraubenfeder ein. Die Ausdehnung in der Länge verhält sich proportional dazu. An der Feder ist z.B. ein Zeiger befestigt, der das Gewicht an einer Skala am Waagengehäuse anzeigt.
  • Brücken-/Tafelwaage: Die Gewichtskraft einer bekannte Masse wird bei der Tafelwaage direkt mit einer unbekannten verglichen. Beim Wiegevorgang werden solange Handelsgewichte auf die Schale gelegt, bis eine Gleichgewichtsstellung erreicht ist. Durch Zusammenzählen der Masse der benötigten Gewichte erhält man das Gewicht des Wiegegutes. 

 

Zaehlwaage-CS-HauptbildBesondere Fahrt nahm der technische Fortschritt die letzten Jahrezehnte auf. Aus teilweise simplen mechanischen Geräten wurden elektronische Hightech- Geräte mit Internetanschluss, 3D Erkennung und intuitivem Handling per Touchscreen.

Überall in unserem Umfeld sind heutzutage Waagen im Einsatz. Ob zu Hause beim Abwiegen von Zutaten, beim Einkaufen, auf der Arbeit, als Helfer beim Zählen, in Industrie oder Forschung. Waage und Wägetechnik sind - wenn auch nicht immer offensichtlich - tägliche Begleiter in unserem Leben. 

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