Hilfe bei der Auswahl der Wägezelle
Damit eine Wägezelle dauerhaft zuverlässig und genau arbeitet, sollte die Nennlast (Emax) mit einem Sicherheitszuschlag gewählt werden. Hintergrund: In der Praxis treten häufig Lastspitzen auf (z. B. beim dynamischen Aufsetzen), die eine Zelle auch bei „eigentlich passender" Auslegung kurzzeitig überlasten können.
Praxis-Regel für den Sicherheitszuschlag
In vielen Anwendungen wird empfohlen, eine höhere Laststufe (ca. 2–3× Messbereich) zu wählen, um Überlastungen vorzubeugen – abhängig von Einbau- und Betriebsbedingungen.
Faktoren, die die Wahl der Laststufe beeinflussen
- Maximale Nennlast der Waage (Nettobelastung)
- Totlast/Vorlast (Dead Load) und deren mögliche ungleichmäßige Verteilung
- Dynamische Einflüsse am Einbauort (z. B. Windkräfte, Rührwerke, Vibrationen, Stöße, seismische Erschütterungen) – bei im Freien stehenden Anlagen zusätzlich auf eine mechanische Abhebesicherung achten
- Exzentrische Belastung (Eckenlast / Last nicht mittig)
- Wahrscheinlichkeit von Überlastgewichten
- Kraftnebenschlüsse vermeiden (ggf. mit Kompensatoren eliminieren)
Grundsatz zur Konstruktion
Wägesysteme sollten grundsätzlich an allen Auflagepunkten mit einer Wägezelle ausgestattet sein.
Faustformel zur Auslegung der Nennlast je Wägezelle
Für die Bestimmung der erforderlichen Nennlast je Wägezelle kann folgende Berechnung genutzt werden (eine vereinfachte Variante ohne Sicherheitszuschlag finden Sie auch im Abschnitt Wägezellen Nennlast (Emax) berechnen):

- Emax: Nennlast der Wägezelle
- Max: Nennlast (Nettobelastung) der Waage
- DL: Totlast / Vorlast (dead load)
- N: Anzahl der Wägezellen
- Fa: Faktor für Eckenlastzuschlag (Standardwert z. B. 1,3)
- Fb: dynamischer Lastfaktor (bei statischer Verwägung häufig 1)
- Fw: zusätzliche Windkraft (relevant bei Anwendungen im Freien)
Wichtige Hinweise für die Praxis
- In einem Messsystem sollten ausschließlich Wägezellen gleicher Nennlast verwendet werden.
- Störgrößen vermeiden: Krafteinflüsse durch Torsion, Biegung und Querlasten.
- Eine Wägezelle arbeitet nur innerhalb der angegebenen Genauigkeit, solange die maximale Gebrauchslast nicht überschritten wird. Überlast (auch kurzzeitig) kann die Wägezelle dauerhaft beschädigen.
Weitere wichtige Auswahlkriterien
Neben Nennlast und Sicherheitszuschlag entscheiden vier weitere Punkte häufig darüber, ob eine Wägezelle in der Praxis zuverlässig funktioniert: die geforderte Genauigkeitsklasse, die Umgebungsbedingungen am Einbauort, etwaige Hygieneanforderungen sowie – in bestimmten Branchen – erforderliche Zertifizierungen für den Explosionsschutz.
Genauigkeitsklasse nach OIML R60
Wird die Wägezelle in einer eichpflichtigen Anwendung eingesetzt – etwa zur Preisberechnung gegenüber Dritten oder in einer zulassungspflichtigen Waage – muss sie über eine passende Genauigkeitsklasse nach OIML R60 verfügen (Klassen A–D, in der Praxis meist C1–C6). Je höher die geforderte Präzision, desto höher muss die Klasse ausfallen. Alle Details zu den Klassen und deren Bedeutung finden Sie auf unserer Seite Wägezellen Genauigkeitsklassen nach OIML R60.
Umgebungsbedingungen: Schutzart, Material & Temperatur
Am Einbauort entscheiden meist drei Punkte über die richtige Bauform: die IP-Schutzart (Schutz vor Staub und Wasser, z. B. IP65 oder IP68/IP69K bei Nassreinigung), das Gehäusematerial (Edelstahl oder korrosionsgeschützter Stahl bei Feuchtigkeit, Chemikalien oder Witterungseinflüssen) und die Temperaturkompensation der Wägezelle bei stark schwankenden oder extremen Temperaturen. Bei Anlagen im Freien sollte zusätzlich die Windlast (siehe Faktor „Dynamische Einflüsse" oben) mit eingeplant werden.
Hygieneanforderungen in Lebensmittel- und Pharmaproduktion
In der Lebensmittel- und Pharmaindustrie ist meist eine hygienegerechte Bauform gefordert: glatte, spaltfreie Edelstahlgehäuse, die sich rückstandslos reinigen lassen und Standards wie 3-A Sanitary Standards oder EHEDG erfüllen.
Explosionsschutz-Zertifizierungen
Beim Wiegen in explosionsgefährdeten Bereichen – etwa bei Mehl, Pulvern oder in petrochemischen Anlagen – muss die Wägezelle über eine passende Ex-Zertifizierung verfügen, je Zielmarkt z. B. ATEX (EU), IECEx, FM HazLoc (USA) oder EAC Ex.
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Passende Komponenten für die Auswahl
Abhängig von der Bauart einer Waage ist es möglich, dass mehr als eine Wägezelle verbaut wird. Während kleinere Plattformen mit entsprechend geringer Nennlast mit einer Plattform Wägezelle (Singlepoint) auskommen, werden in größeren Plattformwaagen, Bodenwaagen, Palettenwaagen und vielen anderen Wägesystemen oftmals 4 oder mehr Scherstabwägezellen verbaut.
Um die Ergebnisse beim Wiegen jederzeit ablesen und verarbeiten zu können, benötigt man entsprechende Wägeterminal und Waagenanzeigen. Je nach Art der Waage kann eine solche Anzeige variieren. Während man für eine Tischwaage meist nur die bereits integrierte Anzeige zum Ablesen des Wägeergebnisses nutzt, werden für Schwerlastwaagen häufig Großanzeigen verwendet, welche auch aus sicherer Entfernung abgelesen werden können. Man unterscheidet bei den Waagenanzeigen zwischen einer Wägeelektronik, die neben der Anzeige auch über die Kontrolleinheit zum Ermitteln des Gewichts verfügt, und einem reinen Anzeigeelement, welches als Zusatz- oder Zweitanzeige genutzt werden kann und keine Steuerfunktion beinhaltet. Mit einer Waagenelektronik wird die Funktion der Wägezelle gewährleistet.
Der digitale Anschluss- und Verteilerkasten ist eine Kombination aus Kabelkasten und einem Analog-Digitalwandler. Der integrierte, hochpräzise, digitale Messverstärker mit 24-Bit A/D-Wandler wandelt die Ausgangssignale der angeschlossenen Wägezellen in einen stabilen Gewichtswert um. Die Wägeelektronik versorgt die Wägezellen und digitalisiert das analoge Signal. An der Kabelbox DBC-11 kann eine analoge Wägezelle in Vier- oder Sechs-Leiter-Technik angeschlossen werden. An der Kabelbox DBC-14 und -44 können bis zu vier analoge Wägezellen parallel angeschlossen werden. Bei DBC-14 werden alle 4 Wägezellen auf einem Kanal zusammengeführt. Bei dem Wägezellen Anschlusskasten DBC-44 wird jede Wägezelle auf einem separaten Kanal ausgewertet. Dies stellt die einwandfreie Funktion der Wägezelle sicher. Ein weiterer Vorteil ist, dass ein digitaler Eckenabgleich möglich ist.
Weiterführende Themen im Wägezellen-Ratgeber
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